Gedichte aus dem Chaco
 

                Trockenheit
 

         1. Der Nordwind braust bei  Tag und Nacht
            über die  durstigen Felder.
            Singt höhnisch sein Lied von  Trockenheit
            Durst,  Hitze, Staub,  Unfruchtbarkeit
            Und rüttelt und zerrt die Wälder
             Und der Landmann betet beim   schlafenlegen:
              "Herr!    Gib uns Regen!"
 

              2.Nachdem tagelang der aus dem Norden getobt
                   Scheint er  endlich doch zu ermüden.
               Herr Westwind tritt kurz als Vermittler auf,
               Dann zieht es am Horizont dunkel herauf
                Und  das Zepter hält der aus dem  Süden.
               Und im Landmann beginnt sich Hoffnung zu  regen
               Und er jubelt: "Nun kommt der Regen!"
 

       3. Doch was verheißungsvoll dunkel gebraut,
           das reißt der Südwind in Fetzen!
            Ein paar Tropfen fallen noch, wie zum Hohn,
            Dann fegt der Sturmwind alles davon
            Und die Wolken jagen und hetzen.
            Und der Landmann sagt hilflos, wie verlegen:
            "Oh Herr! Und der Regen?"
 

              4. Und erst, als der Himmel ganz sauber gefegt,
                  Scheint der Südwind auch zu ermatten.
                  Und nun sinkt es herab aus dem Himmelsraum
                  Auf Feld und Wald, auf Halm und Baum:
                  Eiseskälte! Des Todes Schatten!
                  Und der Landmann betrachtet sein "Werk ohne Segen"
                   Und flüstert: " Nur ein Regen!"

       5. So geht das durch Wochen und Monate hin
           Verdorrt liegen Acker und Garten ...
            Dem Landmann hilft kein Streik noch Demonstration
            Kein Schreien: "Wir brauchen höheren Lohn! "
            Er muss sich gedulden und warten ...
            Und denkt : " Kann ich den Herrgott nicht bewegen
            Mit der Bitte : Herr gib uns Regen !?"
 
 

            Tropensonne

       Und wieder ist der Sommer da
       Mit langen Tagen, heib und schwer,
       Mit Sonne, die erbarmungslos
       Auf Tier und Pflanzen, klein und groß,
       Herniederbrennt und quält gar sehr.
 

                   Frau Sonne, oft verwünsch ich dich!
                   Sah ich, wie Mühe wohl und Plage
                   Bei braven Menschen qualvoll ward
                   Durch deine Strahlen, stark und hart
                   An arbeitsreichen, schweren Tagen.
 

       Und doch, ist sie´s, die Leben schenkt
       Was wär, wenn sie uns nicht mehr scheint?
       So lass uns dankbar sein und froh
       Das sie uns Leben gibt und so
       Die Welt in ihrem Sein vereint.
 
 

          Die Kolonistenfrau

       Nie ist dir ein Lied des Dankes erklungen,
       Kein Denkmal gemahnt Deiner Taten,
       Kein Epos hat je Deinen Mut besungen,
       Womit Du oft unsagbar Schweres bezwungen,
       Kein Brief deine Tränen verraten ...
 

              Aus Gründen, so vielfach wie himmlische Sterne,
              Kamst Du voll Erwartung und Hoffnung in´s Land.
              In fremde, verlockend anmutende Ferne.
              Noch warst Du voll Kraft, noch folgtest Du gerne
              Der Fata Morgana, die Dich gebannt.
 

       Dann kamen die Prüfungen: Fremd waren die Laute
       Fremd Sitten und Wesen und Denkungsart.
       In Urwald, in Wildnis, in Steppe baute
       Der Siedler. Wie tapfer dem Glück er auch traute,
       Blieb keinem Enttäuschung und Leid erspart. ...
 

              Vielleicht brauchtest daheim Du kein Werkzeug berühren,
              Doch hier rief Dich bitt´re Notwendigkeit auf:
              Du lerntest die Hacke, den Spaten führen,
              die Tiere betreuen, das Feuer schüren,
              Und die Jahre vergingen und rieben Dich auf!
 

       Wohl schaffte Dir voran Dein treuer Gefährte
       Und Arbeit und Last machten ernst und hart,
       Doch wo ihm die Mühsal mal Musse gewährte,
       harrten Deiner noch Aufgaben, Kinder und Werte,
       die zu hüten und pflegen Dir Lebenszweck ward.
 

              Ja Kinder!  Die schönste und schwerste der Pflichten!
              Wieviel Freude und Glück! Doch manch schlaflose Nacht!
              Mußtest hilflos Dein Fleh´n an den Höchsten Du richten
              Und dann glücklich Gott danken oder weinend verzichten,
              Ward das Schwerste vom Schicksal Dir zugedacht!
 

       Und seht ihr heut´  Städte sich riesig erheben,
       Paläste voll Luxus und strahlender Pracht,
       Fabriken und Strassen und Ströme voll Leben,
       dann denkt mal an die, die den Anfang gegeben,
       Mit Arbeit und Not den Tribut erbracht.
 

              Niemals ist ein Lied des Dankes erklungen,
              Kein Denkmal stellt sich zur Schau,
              Kein Epos hat je Deinen Mut besungen,
              Womit Du oft unsagbar Schweres bezwungen,
              Du tapfere, schlichte Frau!
 
 

           Fantasie am tropischen Abendhimmel

       Frau Sonne geht in der Wolkenbank
       Nach heißenm Tage zu Bette,
       Doch eh´sie ihr Zepter abgibt an die Nacht,
       Entfaltet sie nochmal die ganze Pracht
       Von ihrer Zauberpalette.
       Und färbt den Himmel so bunt und kühn,
       Wie es kaum je ein Maler erträumte:
       Von dunklem Rot zu Gelb und Grün
       Dann zartes Blau, das Golden umsäumte.
 

              Dazwischen ein Wölkchen, schneeweiß und licht:
              Ein Lämmchen? unschuldig und heiter?
              Folgt da nicht die Mutter, ruhig und schlicht?
              Und sieh.  Da kommt ja ein Reiter!
              Ist das nicht ein Reigen von Elfen dort?
              Ganze sachte schwebt er und schwingt hinfort.
              Ach, da erhebt sich ein stolzes Schloss!
              Mit Wällen, Türmen und Zinnen.
              Ein Fabeltier aus den Türmen schoss
              dehnt sich lang und schwebt von hinnen.

       Tiefschwarz  kriecht nun ein Untier hervor:
       Ein Drache? Ein Saurier? O Grauen!
       Und Türme, Wälle und Zinnen und Tor
       Verschwimden  in  seinen Klauen ...
       Wohin seid ihr Elfen, Du schneeweißes Lamm?
       Du strahlendes Farbengefunkel?
       Das Schloss, der Drachen, der Reitersmann?
       Wie unbemerkt doch alles zerrann ...
       Nun ist es nur grau und dunkel.

              O Mensch, auch Dir kommt einmal die Stund´
              Da scheint alles grau und trübe ...
              Doch, ist Dein Herz auch weh und wund,
              Empfinde das Wunder der Liebe!
              Der Liebe zum Nächsten, der Trost braucht und Rat
              Und halte Dein Herz stets offen
              Und sieh alles Schöne, die Blüte, die Saat,
              Und höre nie auf,  zu hoffen!
 
 
 

                    Königin der Nacht

            Als ich in der Mondnacht
            - in neblichtem Lichte -
            auf einsamen Wege -
            gedankenschwer schritt,
            als des Nachtvogels  Triller
           - in lieblichen  Tönen -
           den Einsamen   suchte -
          den Weg zu verschönen,
            da strahlt  aus dem Dunkel -
           des nächtlichen Busches -
             weißprangend und stille
            - ein Leuchten mir zu.
            Es hat sich die Knospe,
            die graue des Tages,
           zur schlichten Herrin -
            nun schneeweiß entfaltet:
            "Bin einsam, o Wandrer,
            wie du auf dem Wege,
            doch gerne erschließ ich
            - dem Einsamen mich."
            Und ich harrte ein    Weilchen -
             vom Glanze  bezaubert,
           vom Mondlicht   bestrahlt -
           und vom  Triller umzittert.
           Ein Weilchen -
             dann schritt  ich -
           auf einsamen Wege.
            Ein Weilchen -
             die Blume-
             dem Tag sich verschloss.